Vier Fragen an den Rektor

Herr Schaepman, Sie plädieren für eine offene Universität, warum?

Michael Schaepman: Über dem Eingang des UZH-Hauptgebäudes steht die Inschrift «Durch den Willen des Volkes». Die UZH ist tief verankert in einer lebendigen, vielfältigen Gesellschaft. Mir ist es ein Anliegen, dass wir nicht nur vorgegebene akademische Bildung in Studiengängen, sondern auch individualisierte akademische Bildung anbieten. Wir sollten nicht aufhören, nach innovativen Lösungen zu suchen, wie dies am besten gelingen kann. In meinen Augen könnten wir viel bewirken, wenn wir unser immenses Lehrangebot zugänglicher machen würden für Menschen, die sich höchst individualisiert weiterbilden möchten. Das lebenslange Lernen wird angesichts der rasanten gesellschaftlichen Entwicklungen immer wichtiger.

Es gibt an der UZH bereits viele gut etablierte Weiterbildungsprogramme, was wäre neu?

Heute kann ich spezifische Weiterbildungsprogramme der UZH besuchen und mit einem MAS, DAS oder CAS abschliessen. Zukünftig könnte ich alternativ dazu aus dem allgemeinen Lehrangebot der UZH jene Veranstaltungen auswählen, die ich brauche, um meine individuellen Wissenslücken zu füllen. Als Auditorin oder Auditor stehen mir dafür heute schon viele Möglichkeiten offen. Neu würde mir die UZH die so erbrachte Lernleistung bescheinigen, wodurch sie verbindlicher würde.

Wie lässt sich dies an der UZH umsetzen?

Wir werden diese Idee universitätsintern diskutieren. Wenn sie auf positive Resonanz stösst, entwickeln wir Modelle, die schrittweise realisiert werden können. Wichtig ist, dass wir eine Lösung finden, die marktkonform ist und die qualitative Weiterentwicklung der klassischen universitären Ausbildung nicht beeinträchtigt.

Gibt es weitere Ideen im Zusammenhang mit der Öffnung der Lehre?

Das Konzept einer offenen Universität hat viele Aspekte. Bezugnehmend auf internationale Trends und Diskussionen hat Gabriele Siegert, Prorektorin Lehre und Studium, eine Reihe von Überlegungen zur Weiterentwicklung der Lehre an der UZH angestellt, die auf eine Öffnung, Dynamisierung und Flexibilisierung zielen. Neben dem Lifelong Learning gehören dazu die verstärkte Internationalisierung der Lehre und der Ausbau interund transdisziplinärer Studienangebote. Ein weiteres wichtiges Entwicklungsfeld ist das Blended Learning: Kombiniert man analoge und digitale Unterrichtsformen gezielt, profitiert man von den Vorteilen beider Welten. Studierende können die Lehrangebote der UZH so individueller nutzen.

Interview: David Werner