Stein um Stein

Alexandra Tanner mit dem Modell eines nach römischem Vorbild erbauten Tribunals

Der Monte Iato auf Sizilien gehört zu den wichtigsten Fundplätzen aus der hellenistisch-römischen Epoche. Wenn Alexandra Tanner, promovierte Archäologin und Diplomarchitektin, hier auf Grabungskampagne ist, fühlt sie sich stets wie elektrisiert: «Bei der Feldarbeit kann man jederzeit auf überraschende Überreste stossen.» Die grossen Entdeckungen wurden zwar schon vor Zeiten gemacht – UZH-Archäolog*innen führen hier seit den frühen 1970er-Jahren Ausgrabungen durch –, «dennoch finden wir bei unseren Nachgrabungen immer wieder interessante Puzzleteile, die neue Detailinformationen liefern.» Etwa den gewichtigen Steinblock, den Tanner aus einem Materialhaufen hieven liess und den sie im Rahmen einer Rekonstruktion einem in eine Säulenhalle eingebauten Gerichtssitz zuordnen konnte. Den exakten Platz des Quaders im Podest des Tribunals fand sie unter anderem durch spielerisches Ausprobieren mit Hilfe eines 3D-Modells aus Karton. Neben analogen Methoden wie dem Zeichnen von Hand und Nachbauen von freigelegten Befunden nutzt die Bauforscherin aber auch moderne Dokumentationstechniken, etwa Fotogrammetrie und Grafikdesignprogramme, um die architektonischen Traditionen dieser einst reichen sizilianischen Kleinstadt nachzuzeichnen.

 

Alice Werner