Rolf Kümmerli

Von Bakterien lernen

Als Evolutionsbiologe will Rolf Kümmerli besser verstehen, wie biologische Gesellschaften funktionieren, wie Organismen miteinander kooperieren, obwohl sie sich gleichzeitig auch konkurrenzieren. Ursprünglich erforschte er für diese Fragen Ameisen, nun studiert er diese Interaktionen bei Bakterien. «Mikrobielle Gesellschaften eignen sich hervorragend zum Studium dieser Fragen», sagt der Gruppenleiter am neu gegründeten Institut für Quantitative Biomedizin auf dem Irchel-Campus. Besonders interessieren ihn sogenannte opportunistische Keime wie Pseudomonas aeruginosa oder Staphylococcus aureus, die je nach Lebensbedingungen infektiös werden können. «Die Keime leben in einem komplexen Netzwerk mit anderen Bakterienarten, die sich gegenseitig beeinflussen», sagt Kümmerli. Er und seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter untersuchen das konkurrenzierende Verhalten der Mikroben um essenzielle Nährstoffe wie Eisen, die ihre Pathogenität und Virulenz beeinflussen. Die evolutionäre Dynamik hinter diesen Vorgängen ist wissenschaftlich faszinierend. Neu gewonnene Einsichten sollen dazu beitragen, chronische Infektionen mit opportunistischen Keimen besser zu behandeln.

Stefan Stöcklin