Zoom Meeting

Lehre und Lernen in Zeiten von Corona

Wegen der Corona-Pandemie musste die UZH am 16. März auf Minimalbetrieb schalten. Innerhalb kürzester Zeit wurde von Präsenz- auf Online-Lehre umgestellt, Vorlesungen, Seminare und Veranstaltungen fanden nur noch virtuell statt. Wir haben bei Dozierenden, Studierenden und Mitarbeitenden nachgefragt, wie sie diese gewaltige Herausforderung gemeistert haben.

Stefan Stöcklin und Alice Werner

Wer mit UZH-Angehörigen über ihre Erfahrungen der letzten Monate spricht, bekommt ein fast durchgängig positives Fazit zu hören. Allgemeiner Tenor: Die digitale Technologie mit ihren verschiedenen Kommunikations- und Lerntools kann Präsenzveranstaltungen zu grossen Teilen ersetzen und den Austausch zwischen Dozierenden, Studierenden und Kommilitonen sicherstellen.

Der Kommunikations- und Medienwissenschaftler Mark Eisenegger beispielsweise verlegte sein Forschungsseminar zum Thema «Kommunikation und Management der Online- Reputation» mit Hilfe des Videokonferenzsystems Microsoft Teams in den digitalen Raum. Zusammen mit Daniel M. Vogler, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut, hielt er Online-Vorträge, bei denen er seine Powerpoint-Folien auf dem Bildschirm mit den Studierenden teilte. «Wir konnten auf diese Weise auch online lebhafte Diskussionen führen und dank der Chat-Funktion sprudelten die Rückmeldungen geradezu», sagt Eisenegger. Voraussetzung für gelingendes E-Learning, so der Wissenschaftler, sei eine sorgfältige Einführung der Studierenden in die Handhabung und die technischen Möglichkeiten der Videokonferenzsysteme. Für ihn ist klar, dass er seine positiven Erfahrungen mit der Online- Technik in die Phase nach der Corona-Krise mitnehmen will. Gleichzeitig freut er sich auch auf die Zeit, wenn ein persönlicher, spontaner Austausch mit seinen Studierenden wieder möglich sein wird.

Wie Studierende ihren Homeoffice-Alltag organisiert und erlebt haben, gibt hier stellvertretend Anne Christine Schindler wieder. Die Masterstudentin studiert Zeitgeschichte und Kulturanalyse und hat das Frühjahrssemester weitgehend vor dem Bildschirm, in Online-Seminaren und virtuellen Kolloquien verbracht. «Ich empfand es anfangs als Einschränkung, dass bei MS Teams nur vier Leute sichtbar sind, das verlangsamte die Diskussionen. Wir wechselten deshalb im Lauf des Semesters auf Zoom.» Schindler vermisste in den letzten Wochen die sozialen Kontakte mit Kommilitoninnen und Kommilitonen. Manche Studierende hätten deshalb zwei Videokonferenzsysteme gleichzeitig aufgeschaltet, um einerseits der Veranstaltung zu folgen und andererseits in kleineren Gruppen miteinander zu sprechen, so wie im Seminarraum. «Der Online-Unterricht ersetzt den Präsenzunterricht eben nur teilweise», meint die Studentin. «Daher hoffe ich sehr, dass ich im Herbstsemester wieder an die UZH kommen darf.»

Dass der Transfer von Präsenz- auf Remote-Lehre für alle Beteiligten in den letzten Wochen herausfordernd und nur durch das grosse Engagement der Dozierenden zu meistern war, zeigt auch der Aufruf, den die Abteilung Hochschuldidaktik im Mai lanciert hat: Studierende der UZH sollten ihre «Teachers of the hour» nominieren. «Dem Aufruf liegt das Anliegen zugrunde, denjenigen Lehrpersonen ein Gesicht zu geben, die in der Umsetzung digitaler Lehr- und Lernangebote besonderen Einsatz gezeigt haben», erläutert Myriam Steinbrecher, Abteilungsleiterin der Hochschuldidaktik. Die hohe Resonanz und die ausführlichen Begründungen zeigen, dass dies vielen Dozentinnen und Dozenten sehr gut gelungen ist – und dass sie dafür von ihren Studierenden ausserordentlich geschätzt werden.

Bereits mit kleinen Gesten konnten die Lehrpersonen Unterstützung bieten, etwa indem sie den persönlichen Kontakt mit den Studierenden aufrechterhielten oder ihre eigenen Erfahrungen während der Krise teilten. Positiv bewerteten die Studierenden ausserdem, wenn die Lehrenden trotz technischer Herausforderungen Humor zeigten: In lockerer Atmosphäre wurden dann neben dem Lernstoff auch Tipps für Entspannungs- und Motivationsübungen im Homeoffice geteilt. Besonders gefreut haben sich die Studierenden auch, wenn die Dozierenden offene Fragestunden in Zoom- oder Teams-Meetings ermöglichten – gute Gelegenheiten für einen informellen Austausch oder um konkrete Fragen zur Prüfung zu stellen. In grösseren Vorlesungen, in denen ein persönliches Feedback der Lehrpersonen nicht möglich war, konnte der kreative Einsatz von digitalen Applikationen wie Quizzes oder Breakout Rooms die Interaktion fördern. «Hier ist auch der besondere Einsatz von Assistentinnen und Tutoren zu erwähnen, die den Einsatz neuer Lehr- und Lernformen tatkräftig unterstützten», so Steinbrecher.

Da die Corona-Krise nur gemeinsam zu bewältigen war, ist es der Abteilung Hochschuldidaktik ein besonderes Anliegen, alle Nominierten im Rahmen des Tags der Lehre im kommenden Herbstsemester zu würdigen.

Wegen des pandemiebedingten Versammlungsverbots wurden Mitte März auch alle Konferenzen und öffentlichen Events an der UZH abgesagt. Auch hier konnte die digitale Technik helfen. So wurden etwa Referate im Rahmen von Ringvorlesungen aufgezeichnet und stehen auf der jeweiligen Homepage des Veranstalters als Podcasts zur Verfügung. Andere Vorträge konnten den verschiedenen Zielgruppen über Videokonferenzsysteme und via Live-Streams übermittelt werden. Als wohl grösste Veranstaltung dieser Art hat die Universitätsleitung während der Corona-Krise zwei virtuelle Townhall Meetings für Mitarbeitende durchgeführt, um offene Fragen etwa zum Arbeiten im Homeoffice, zur Sicherheit am Arbeitsplatz oder zum angepassten Präsenzbetrieb zu beantworten.Auch Mittagsseminare wie die «Brown Bag Lunches» des von UZH und ETHZ gemeinsam geführten Citizen Science Center konnten problemlos online durchgeführt werden. «Dadurch blieben wir im steten Austausch mit den interessierten Leuten», betont Fanny Gutsche Jones, Community-Managerin am Citizen Science Center. Dort planen sie die nächste nationale Citizen-Science- Konferenz im Januar 2021 in einem neuen, hybriden Format. «Denn Grossveranstaltungen, wie wir sie bisher kannten, werden noch für längere Zeit kaum durchführbar sein.»

Zusammenfassend lässt sich sagen: Dank des mit vereinten Kräften gestemmten Digitalisierungsschubs hat die UZH die Corona-Krise gut überstanden. Die Universitätsleitung wird nun in den nächsten Wochen prüfen, was sich aus der Krisenzeit für die Zukunft lernen lässt – sowohl für die Lehre als auch für die Art der (wissenschaftlichen) Zusammenarbeit. Eines lässt Interimsrektorin Gabriele Siegert aber schon mal durchblicken: Blended Learning, also ein Mix von Onlineund Präsenzformaten, wird sich auf Dauer durchsetzen.