Porträt Steineck

«Bei roten Ampeln konnte ich endlich eine Pause machen.»

«Die nervenaufreibendste Herausforderung meines Studiums war die Magisterprüfung: Damals musste ich in allen Fächern mehrere mündliche und schriftliche Prüfungen zu verschiedenen Schwerpunkten ablegen – ein gewaltiger Aufwand. Das war wohl die Zeit in meinem Leben, in der ich die meisten Dinge gleichzeitig im Kopf hatte. Dabei habe ich festgestellt, wie toll eigentlich Strassenampeln sind: Schalten sie auf Rot, kann man nicht anders und muss einfach mal eine Pause einlegen. Grundsätzlich habe ich mir aber schon zu Beginn meines Studiums vorgenommen, einen Tag pro Woche möglichst frei zu halten, um auch den Kopf freizukriegen, unter Leute zu kommen und die Universität einfach mal links liegenzulassen. Heute bin ich selbst Prüfer. Ich achte darauf, im Vorfeld klar zu kommunizieren, was meine Studierenden erwartet. Bei schriftlichen Tests versuche ich, ihnen einen möglichst guten Start zu verschaffen.

Das gelingt etwa durch Fragen, die sie auf jeden Fall beantworten können, wenn sie sich mit dem Stoff auseinandergesetzt haben. Bemerke ich bei mündlichen Prüfungen, dass jemand nervös wird und sich bei einer Frage unwohl fühlt, bohre ich nicht weiter nach, sondern wechsle zur nächsten Frage. Grundsätzlich gilt: Auch für Prüfende ist es viel schöner, wenn eine Prüfung gut läuft.»

Raji C. Steineck, Professor für Japanologie