Rahel Brügger

«Die Faszination wächst, wenn man sie teilt»

Freundschaftliche Beraterin

Viele Studienanfängerinnen und -anfänger brauchen eine Weile, um an der Universität Fuss zu fassen. Rahel Brügger erging es nicht anders, als sie ihr Biologie- und Philosophiestudium aufnahm. «Ich fühlte mich überfordert von der Überfülle an Möglichkeiten und empfand die Universität als anonym und unverbindlich», sagt sie. Sie vermisste eine Ansprechperson, bei der sie «emotional andocken» konnte, jemanden, der sie in der schwierigen ersten Phase des Studiums wohlwollend begleitete und auch persönliches Interesse zeigte. Der Umschwung kam, als sie sich als Tutorin zu engagieren begann. «Von dem Moment an, als ich Mitstudierenden beratend und unterstützend zur Seite stand, bekam ich selbst das Gefühl, richtig angekommen zu sein an der Universität.» Sie war nun für andere das, was sie selbst als Studienanfängerin gerne gehabt hätte: eine Ansprechperson und Mentorin, mit der man offen reden kann. Begleitend zu Lehrveranstaltungen beantwortete sie Fachfragen aller Art, half bei der Recherche und beurteilte Essays ihrer Mitstudierenden. Fachlich profitierte sie selbst dabei enorm: Als Tutorin musste sie sich noch tiefer mit dem Lernstoff auseinandersetzen, als dies im regulären Studium nötig gewesen wäre. «Mindestens so stark wie auf fachlicher profitierte ich aber auf menschlicher Ebene», sagt sie. Heute ist Rahel Brügger Doktorandin im Fach Anthropologie und erforscht, wie sich im Laufe der Evolution die Moral entwickelte. Dazu beobachtet sie das Verhalten von Primaten. Sie ist Feuer und Flamme für das Projekt. Die Betreuung von Studierenden, die sie als Tutorin aus eigenem Antrieb leistete, gehört jetzt zu ihren Pflichten. Eine Pflicht, die sie aber als Kür empfindet: «Ich gebe mir Mühe bei der Betreuung und freue mich entsprechend über die guten Rückmeldungen. Es ist einfach ein schönes Gefühl, andere mit der eigenen Begeisterung anzustecken.» (dwe)