Sprungbrett für die Karriere

Vor 20 Jahren hat die UZH den damals so benannten «Forschungskredit» für Nachwuchsforschende ins Leben gerufen. Das bewährte Förderinstrument wird 2022 unter den neuen Namen UZH Candoc Grant und UZH Postdoc Grant weitergeführt.

Text: Stefan Stöcklin

«Der Forschungskredit war ein wichtiges Sprungbrett in meiner Karriere», sagt Salome Kurth, Assistenzprofessorin an der Universität Fribourg. Dank der Nachwuchsförderung der UZH konnte die Schlafforscherin 2018 ihr eigenes Projekt am USZ massgeblich vertiefen und ihr Netzwerk ausbauen. Die finanzielle Unterstützung erlaubte es ihr, sich auf ihre Forschung zu konzentrieren: Kurth untersucht die Rolle der Darmflora, des Mikrobioms, im Zusammenhang mit der Qualität des Schlafs bei Kleinkindern und Babys. Mit der finanziellen Sicherheit im Rücken bewarb sich die damalige Postdoktorandin erfolgreich beim Schweizerischen Nationalfonds um eine Eccellenza-Förderprofessur und arbeitet nun zielstrebig auf eine feste Professur hin. 

Wichtiges Förderinstrument

Kurths Erfolgsgeschichte ist eine unter vielen. Über 2000 junge Nachwuchsforscherinnen und Nachwuchsforscher erhielten in den letzten 20 Jahren einen Förderbeitrag der UZH und konnten dadurch ihre Karriere entscheidend in Gang bringen. Das innovative Instrument wurde um die Jahrtausendwende als eine Folge der neu gewonnenen Autonomie der Universität ins Leben gerufen und ist seither zu einer festen Grösse geworden. Ab 2022 laufen die beiden Linien des Forschungskredits unter den Namen UZH Candoc Grant und UZH Postdoc Grant weiter. «Die UZH Grants sind sicher ein sehr gutes Nachwuchsförderungsinstrument an der UZH», sagt Elisabeth Stark, Prorektorin Forschung. 

Profitiert hat zum Beispiel auch Roman Kellenberger. Der Botaniker hat die Unterstützung durch den damaligen Forschungskredit während seiner Doktorarbeit in Anspruch genommen. Mitten in der Arbeit zu seiner Dissertation stiess er unerwartet auf eine zusätzliche Idee zu einem Forschungsprojekt über Blütenfarben von alpinen Orchideen. Für dieses Vorhaben stellte er 2017 ein Gesuch. Dank des gesprochenen Beitrags konnte er das Projekt umsetzen und die Resultate in einer renommierten Fachzeitschrift prominent publizieren. Seine aktuelle Position als Postdoc an der Universität Cambridge in Grossbritannien führt Kellenberger nicht zuletzt auf diese wichtige Arbeit zurück, die grosse Beachtung gefunden hat. «Ich verdanke dem Förderinstrument viel, es hat mir neue Türen geöffnet», sagt Roman Kellenberger. 

Die ehemalige Postdoktorandin Salome Kurth und der ehemalige Doktorand Roman Kellenberger stehen stellvertretend für Hunderte von Nachwuchsforschenden, die in den vergangenen 20 Jahren profitieren konnten. «Doktorandinnen und Doktoranden konnten damals beim Schweizerischen Nationalfonds keine Projekte in ihrem Namen eingeben, es gab für sie keine eigenen Gefässe», sagt Beatrice Scherrer vom UZH Grants Office. 

Grössere Unabhängigkeit

Mit ihrem eigenen Förderinstrument schloss die Universität Zürich diese Lücke und eröffnete gleichzeitig auch Nachwuchsforschenden nach dem Doktorat, die mit vielfältigen Aufgaben an den Lehrstühlen (über)betraut waren, Freiräume für eigene Arbeiten im Sinne einer «Protected Research Time». Die UZH ermögliche ihren vielversprechenden Nachwuchsforschenden auf diese Weise auch eine gewisse Unabhängigkeit, indem Projekte finanziert werden könnten, die ausserhalb der primären Forschungsthemen ihrer Betreuungspersonen lägen, fügt Beatrice Scherrer ergänzend hinzu.

Übrigens hat der Nationalfonds unterdessen nachgebessert und Instrumente wie zum Beispiel «Doc.CH» geschaffen, das Nachwuchsforschenden die Finanzierung eigener Dissertationsprojekte im Bereich der Sozial- und Geisteswissenschaften erlaubt. Mit Recht darf man sagen, dass der damalige Forschungskredit der UZH eine Pionierleistung war, die von Universitäten und vom Nationalfonds teils kopiert wurde.

Gefragt sind originelle Projekte

«Universitäten im In- und Ausland beneiden uns um dieses Instrument», sagt Beatrice Scherrer, die langjährige Erfahrung in der Forschungsförderung besitzt. Zwar haben auch andere Hochschulen als die UZH eigene Fördergefässe, aber nicht derart gut dotierte. Letztes Jahr stellte die Universität Zürich knapp 9 Millionen Franken zur Verfügung, für die sich junge Talente der UZH kompetitiv bewerben können. Die UZH Grants stehen den Nachwuchsforschenden aller Fakultäten der UZH offen, darüber hinaus dienen sie aber auch dazu, vielversprechende Talente von anderen Institutionen im In- und Ausland anzuziehen. Was zählt, sind wissenschaftliche Qualität und Originalität des Projekts. 

«Die UZH Grants finanzieren Projekte sämtlicher wissenschaftlicher Disziplinen», sagt Martin Bühler vom UZH Grants Office. Einen typischen Antragsteller oder eine typische Antragstellerin gebe es nicht, sagt er. So vielfältig und überraschend Forschungskarrieren sein können, so verschieden und einzigartig sind die Projekte, die einen UZH Grant zugesprochen erhalten. Was die Gesuchstellerinnen und Gesuchsteller hingegen durchwegs auszeichnet, sind Selbstständigkeit, Verantwortungsbewusstsein und die Bereitschaft, Leistung zu erbringen. 

Wertvolle Erfahrung

Roman Kellenberger spricht im Namen vieler, wenn er die «wertvolle Erfahrung des Gesuchsverfahrens» betont: Es war das erste Mal, dass er sich um eine grössere Geldsumme beworben hat. Das Verfahren habe ihn gelehrt, wie ein Forschungsproposal geschrieben werden müsse, sagt der Botaniker. Salome Kurth verweist darauf, wie wichtig es ist, eine eigene Forschungsidee ohne Geldsorgen umsetzen zu können. Für die Verantwortlichen sind diese Lernprozesse zentral: «Die Gesuchstellerinnen und Gesuchsteller lernen, eigenständig für ihr Projekt einzustehen und sich durchzusetzen», sagt Martin Bühler. Die Bewerbung um einen UZH Grant ist für die Nachwuchsforschenden damit zugleich auch eine wichtige erste Übung im kompetitiven Wettbewerbsverfahren um Forschungsmittel nationaler und internationaler Institutionen. 

Die erfolgreichen vergangenen zwei Jahrzehnte und die anhaltend hohe Zahl neuer Gesuche lassen keine Zweifel über den Fortbestand aufkommen. «Wir blicken auf 20 erfolgreiche Jahre zurück», sagt Prorektorin Elisabeth Stark, «und werden dieses Förderinstrument in Zukunft weiterführen und weiterentwickeln.» In dieser Zeit habe sich aber auch viel verändert, sowohl in der nationalen als auch der internationalen Förderlandschaft, sagt die Prorektorin. Das 20-jährige Bestehen des Förderinstruments sei deshalb Anlass, es an die gegenwärtigen Bedingungen und Herausforderungen in der Forschung wie auch an die Bedürfnisse der Nachwuchsforschenden anzupassen. 

Die neuen Bezeichnungen UZH Candoc Grant und UZH Postdoc Grant sind Teil dieser Neuerungen. Weitere Überlegungen, die diskutiert werden, betreffen substantiellere Förderungen im Post-Doc--Bereich sowie einheitlichere Bewerbungsvorgaben in allen sieben Fakultäten. Sicher ist: Ab 2022 werden die beiden bisherigen Förderlinien in modifizierter Form weitergeführt, damit alle Nachwuchsforschenden der UZH auch künftig von diesem einzigartigen Sprungbrett profitieren können.
 

147 Millionen für den Nachwuchs

Dank Beiträgen aus dem bisherigen Forschungskredit (neu: UZH Grants) konnten in den letzten 20 Jahren 2082 Gesuche von Nachwuchsforscherinnen und -forschern im Gesamtbetrag von rund 147 Millionen Franken finanziert werden. Die eingereichten Gesuche werden nach einer formalen Vorprüfung durch das UZH Grants Office von den Fakultätsvertreterinnen und -vertretern in der Forschungsförderungskommission beurteilt. Auf Stufe Doktorat (Candoc) erhielten über die Jahre insgesamt 1187 Personen eine Unterstützung, auf Stufe Postdoc 895. Die durchschnittliche Fördersumme bei den Doktorierenden beträgt rund 56 000 Franken, bei den Postdocs ist der Betrag mit rund 80 000 Franken etwas höher. Die maximale Förderdauer beträgt 24 Monate mit einer Option auf Verlängerung um 12 Monate. Die durchschnittliche Erfolgsquote bei den Gesuchen beträgt gegenwärtig 31 Prozent. 
In den Anfangsjahren konnte das Förderinstrument rund 4 Millionen Franken ausschöpfen, 2021 waren es über 9 Millionen. Im Durchschnitt der letzten 20 Jahre waren es über 7 Millionen jedes Jahr. Der Hauptteil der Gelder stammt aus zentralen Mitteln der UZH, in geringem Umfang auch aus Stiftungszuwendungen. Wie viel dieser Mittel den einzelnen Fakultäten jeweils zur Verfügung stehen, wird durch einen Verteilschlüssel berechnet, in den verschiedene Faktoren wie die Grösse der Fakultät oder die Zahl möglicher Empfängerinnen und Empfänger einfliessen. 
Was die Verteilung unter den Geschlechtern betrifft, herrscht Ausgewogenheit, der Anteil der unterstützten Männer und Frauen war in den letzten Jahren fast immer fifty-fifty. Nur während der Anfangsjahre 2001 und 2002 machten die Frauen mit einem Anteil von 34 bzw. 38 Prozent noch eine Minderheit aus. 

UZH Postdoc Grants