«Neue Biomaterialien erforschen»

Neuberufene Professorinnen und Professoren stellen sich vor:
Mutlu Özcan ist Professorin für Dentale Materialwissenschaften am Zentrum für Zahnmedizin. 

Interview:  Alice Werner

Mutlu Özcan ist Professorin für Dentale Materialwissenschaften am Zentrum für Zahnmedizin.

Frau Özcan, was fasziniert Sie an Zähnen? 

Ja. Ich habe mehrere Familienmitglieder, die einen zahnärztlichen Beruf ausüben. Deshalb war ich schon als Kind mit den Anforderungen des Berufs vertraut. Der Berufswunsch passte zu meinen Genen, ausserdem zu meinem Interesse an Naturwissenschaften und zu meiner künstlerisch-handwerklichen Ader. 

Warum haben Sie sich trotzdem für eine akademische Laufbahn entschieden?

Ursprünglich wollte ich nach dem Studium die Welt bereisen und anschliessend eine eigene Praxis eröffnen. Doch dann hat mich mein Vater überzeugt, eine akademische Laufbahn einzuschlagen. Er behauptete, dass ich über eine Reihe von Fähigkeiten verfüge (deren ich mir damals noch nicht bewusst war), die sehr gut zu einem akademischen Profil passen würden. 

Sie sind Professorin für Dentale Materialwissenschaften. Das klingt nach 
einem interdisziplinären Fachbereich 

Ja, ich arbeite an der Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Gesundheitsfürsorge und zwischen zahnmedizinischer und technologiebasierter Forschung. 

Ihre Forschung ist eng mit der Lösung ­klinischer Probleme in der Zahnmedizin verbunden. Welches ist Ihr Spezialgebiet?

Ich befasse mich schwerpunktmässig mit der Anwendung minimalinvasiver Verfahren in der rekonstruktiven/prothetischen Zahnmedizin und der Entwicklung zahnmedizinischer Materialien mit erhöhter Haltbarkeit und regenerativen Aspekten. Angesichts der alternden Bevölkerung sind Innovationen im Bereich neuer Biomaterialien, die die Struktur von natürlichem Gewebe – Zahnschmelz, Dentin oder Knochen – nachahmen, hochinteressant.

Wie viel handwerkliches Geschick erfordert Ihr Berufsalltag?

Für direkte zahnärztliche Anwendungen wie Füllungen sind natürlich immer noch manuelle Fähigkeiten gefragt. Doch der technische Fortschritt hat viele Arbeitsabläufe digitalisiert. So können beispielsweise indirekte Restaurationen wie Kronen oder Implantate mit Hilfe von Softwaretools entworfen und von Robotern hergestellt werden. Dank der Fortschritte auf dem Gebiet der Biomedizintechnik werden in naher Zukunft wohl weniger manuelle Fähigkeiten erforderlich sein.

Sie haben in der Türkei studiert, in Deutschland Ihre Dissertation abgeschlossen und anschliessend in Finnland und Holland gearbeitet. Welche nationalen Eigenheiten oder Gewohnheiten haben Sie 2009 mit in die Schweiz genommen? 

Aus der Türkei die Gastfreundschaft und die Grosszügigkeit, aus Deutschland die Disziplin, aus Finnland die Ehrlichkeit und die Innovation, aus Holland die Kreativität und die Effizienz.

Wie sieht eine typische Woche bei Ihnen aus?

Montags bis mittwochs Vorlesungen, klinische Arbeit, Seminare, Fallplanungen, Laborsitzungen, Mitarbeitersitzungen, Fakultätsratssitzungen, Journalklubs und Adminstrationsarbeit. Donnerstags Grant-Sitzungen an der ETH Zürich. Freitags und abends Arbeit an meinen Grants und Publikationen. Ich habe zudem Honorarprofessuren an einigen internationalen Universitäten und betreue in diesem Rahmen PhD-Kandidatinnen und -Kandidaten. Aufgrund der Zeitverschiebung finden unsere Online-Meetings häufig nach der regulären Arbeitszeit statt. Mein tägliches Ziel ist es, um 22 Uhr mit der Arbeit aufzuhören und zu lesen – das ist mein liebstes Hobby.

Mutlu ist ein türkischer Name und bedeutet «glücklich». Was macht Sie glücklich?

Ich bin ein minimalistischer Mensch, daher machen mich vor allem kleine, kreative Dinge glücklich.