Vier Fragen an den Rektor

Herr Schaepman, wie stark beeinträchtigt Corona die Studierendenmobilität?

Michael Schaepman: Corona hat die Studierendenmobilität zwar gebremst, aber nicht gestoppt. Zu Beginn des Herbstsemesters hatten wir 45 Prozent weniger Outgoing-Studierende und 35 Prozent weniger Incoming-Studierende als vor einem Jahr. Auslandserfahrung ist eine essenzielle Bereicherung jedes Studiums. Deshalb unterstützt die UZH den Studierendenaustausch auch in der jetzigen Situation und setzt verstärkt auf virtuelle Formate. An den virtuellen UZH International Summer Schools nahmen zum Beispiel über 160 Studierende aus 22 Ländern und von über 50 Universitäten teil.

Welche Auswirkungen hat die Pandemie auf die internationalen Beziehungen der UZH?

Viele internationale Kollaborationen haben an Dynamik gewonnen. Die Zusammenarbeit mit Partnerinstitutionen wie der Kyoto University oder der University of Queensland wurde stark intensiviert. Die Pandemie stellt alle Universitäten vor ähnliche Herausforderungen, da ist ein regelmässiger Erfahrungsaustausch auch auf Ebene der Universitätsleitungen besonders bereichernd – namentlich mit langjährigen Partnern wie der Universität Wien oder der FU und der HU Berlin. Digitale Formate ermöglichen einen agilen Austausch. Schwieriger ist es, auf virtuellem Weg neue internationale Kontakte zu knüpfen.

Eine Frage zum Thema Medizin: Als dieses Jahr einige Klinikdirektoren des USZ in die Negativschlagzeilen gerieten, haben Sie eine Task Force ins Leben gerufen. Welchem Zweck dient sie?

Ziel ist, die Schnittstelle zwischen Universitätsspital und Universität transparenter und einfacher zu gestalten. Die Task-Force dient den Leitungen der UZH und des USZ als Rahmen für gemeinsame Gespräche zu hängigen Fragen. Professorinnen und Professoren der Medizin sind in der Regel sowohl an der UZH wie am USZ tätig. Diese Doppelfunktion steht im Moment unter Beobachtung. Weitere Themen sind zum Beispiel Datenaustausch, wissenschaftliche Integrität oder die Planung von Räumen für Forschung und Lehre.

Wie kommt die Planung des «FORUM UZH» voran?

Die Konzeptarbeiten innerhalb des Vorprojekts sind in vollem Gang. Die UZH, das Architekturbüro Herzog & de Meuron, der Kanton und die Stadt Zürich arbeiten intensiv zusammen. In diesem Jahr war die Flexibilität der Räume für Forschung und Lehre ein Hauptthema, nächstes Jahr steht die Nachhaltigkeit der Gebäudetechnik, das bibliothekarische Lernzentrum sowie die Aussenraumgestaltung im Fokus. Bis nächsten Sommer soll das Vorprojekt abgeschlossen werden, anschliessend erfolgt die Prüfung der Kostenvoranschläge und die weitere Detaillierung. Der Baubeginn ist für 2023 vorgesehen, die Fertigstellung für 2028. Das «FORUM UZH» wird ein Ort der Begegnung für Forschende, Studierende und die Bevölkerung. Damit verkörpert es genau das, was wir momentan so sehr vermissen. Die UZH ist ihrem Wesen nach eine Präsenzuniversität. Für Forschung und Lehre ist der unmittelbare Austausch grundlegend und unverzichtbar.