Colin Hughes: Botanik

Eine der wichtigsten Illustrationen von Alexander von Humboldt zeigt einen stilisierten Querschnitt durch den ecuadorianischen Vulkan Chimborazo, beschrieben mit Hunderten von Pflanzen entsprechend der Höhenzone ihrer Fundorte. «Diese Illustration hat Humboldt unsterblich gemacht, denn sie zeigt erstmals den Zusammenhang zwischen verschiedenen Klimazonen und ihrer Biodiversität », sagt der Botaniker Colin Hughes. Humboldt war ein genauer Beobachter und erkannte die Vegetationsmuster auf seinen Forschungsreisen in den Anden. Das Gebirge, das sich in steilen Flanken vom Meer auf über 6000 Metern durch zahlreiche Klimazonen hindurch erhebt, ist ein idealer Anschauungsort dafür. Und Humboldt, der mehrfach vergeblich versuchte, den Chimborazo zu besteigen, vermass auf den beschwerlichen Expeditionen nicht nur das Gebirge, sondern sammelte auch alle Pflanzen, die er zu fassen kriegte. Dank dieser Arbeiten gilt Humboldt als Begründer der Biogeographie. «Er erkannte, wie Klima, Standort und Geologie zusammenhängen», sagt Hughes. Als Forscher steht der Botaniker sogar in direkter Tradition von Alexander von Humboldt: Wie der legendäre Forschungsreisende befasst sich auch Hughes mit der Biodiversität in den Anden, die eine unglaubliche Pflanzenvielfalt hervorgebracht haben. Hughes konzentriert sich auf die tropischen Hochlandgebiete oberhalb der Waldgrenze in Peru, Ecuador und Kolumbien und erforscht unter anderem die explosive Bildung (Radiation) spezialisierter Arten von Lupinen. Die vielfältigen Grasslandschaften sind ein Forschungseldorado, das zeigt, wie Pflanzen diversifizieren und landschaftlich bezaubern. «Ich bin wohl ebenso fasziniert von den Anden wie Humboldt», sagt Hughes schmunzelnd.

Stefan Stöcklin