Barbara König

Mausekönig

Barbara König hat in den vergangenen 18 Jahren viele hundert Stunden damit verbracht, wilde Hausmäuse zu beobachten. Für die Verhaltensbiologin ist das Studium im Feld nach wie vor die Basis ihrer Forschung, obwohl sie mittlerweile auch moderne Tracking-Technologien einsetzt. König hat 2002 eine Population mit zwölf Individuen in einer aufgegebenen Scheune angesiedelt. Gemeinsam mit ihrem Team hat sie seitdem das Fortpflanzungs- und Sozialverhalten von rund 8000 Nagern untersucht, genetische Stammbäume erstellt, physiologische und morphologische Informationen gesammelt. Das Ergebnis ist ein gigantischer und weltweit einzigartiger Datensatz. Zwei ihrer überraschendsten Erkenntnisse: Die Konkurrenz um Fortpflanzung ist unter Weibchen genauso stark wie unter Männchen. Und: Kooperation unter weiblichen Tieren bei der Aufzucht des Nachwuchses ist eine evolutionäre Notwendigkeit für junge Mütter. Ältere Weibchen ziehen ihre Jungtiere erfolgreicher alleine auf. Mit Königs Emeritierung im nächsten Jahr geht auch ihr grosses Lebensprojekt zu Ende. Dann wird die Scheune aufgegeben, die Mäusepopulation aufgelöst. «Ich verdränge das emotional», sagt König und widmet sich mit umso grösserem Effort ihrem letzten Ziel: das gesamte Genom aller Individuen der Hausmauspopulation zu entziffern.

Alice Werner