François Chapuis

Ringen um die beste Lösung

Kreativität im Detail begeistert François Chapuis ebenso wie grosse Architektur. Seit Dezember 2018 ist er Direktor Immobilien und Betrieb der UZH.

Von David Werner

Stampfenbachstrasse 73, fünfter Stock. Hier befindet sich das Büro von François Chapuis. Beim Blick aus dem Fenster sieht man die Limmat stadtauswärts Richtung Aargau fliessen – dorthin, wo Chapuis herkommt. Der Vater von vier mehrheitlich schon erwachsenen Kindern wohnt in Wettingen bei Baden. Hier wuchs er auch auf. In den vergangenen zehn Jahren leitete er in Aarau die Immobilienabteilung der Aargauer Kantonsregierung.

Eigentlich hatte der diplomierte Bauingenieur und Immobilienökonom noch vieles vor als Kantonsbaumeister, doch als die Anfrage kam, ob er nach Zürich wechseln und die Leitung der grossen Bauvorhaben der UZH übernehmen wolle, konnte er nicht Nein sagen. «Die Chance, an einem solchen Jahrhundertprojekt mitzuwirken, musste ich einfach packen», sagt er.

Dank seiner Erfahrung als Aargauer Kantonsbaumeister ist Chapuis für seine Aufgaben an der UZH gut gerüstet. Die Dimensionen sind vergleichbar: Im Aargau managte er rund 1000 Liegenschaften, darunter Schulen, Museen, historische Bauten und Verwaltungsgebäude. Insgesamt verantwortete er Immobilienwerte in der Höhe von rund 2 Milliarden Franken. Zum Vergleich: An der UZH beträgt das Investitionsvolumen für die Bauvorhaben der nächsten Jahrzehnte 3,5 Milliarden Franken.

Stadt und Universität eng verwoben

«Ich mache in mancherlei Hinsicht an der UZH dort weiter, wo ich im Aargau aufgehört habe», sagt der 52-Jährige. Um zu erklären, wie er das meint, breitet er einen Plan der Kantonshauptstadt Aarau aus, der mit farbigen Punkten übers.t ist. Die Punkte zeigen, wo die kantonale Verwaltung untergebracht ist. Mit dem Finger folgt Chapuis den schwungvoll gezeichneten Pfeilen, die von überall herkommend auf einige wenige, fett markierte Areale zielen. «Hier soll die Kantonsverwaltung räumlich zusammengeführt werden», erklärt er. Die Aargauer Verwaltung hat, ähnlich wie die Universität Zürich, über Jahrzehnte die Erneuerung ihrer Infrastruktur vernachlässigt und sich damit beholfen, verstreute Gebäude anzumieten. Der Lösungsvorschlag, den Chapuis entwickelte und vertrat, gleicht der Strategie der UZH, ihre bauliche Weiterentwicklung auf die zwei Standorte Zentrum und Irchel zu beschränken.


Das Vorhaben, die UZH dezidiert als Stadtuniversität weiterzuentwickeln und zu profilieren, statt einen Campus an der Peripherie zu errichten, unterstützt Chapuis aus voller Überzeugung. «Die Zentrumslage der UZH birgt immense Vorteile und Chancen – sowohl für die Stadt als auch für die Universität », sagt er. «Heute nutzt die Universität die Vorteile dieser Lage noch viel zu wenig, aber mit dem FORUM UZH und der Umsetzung der Gestaltungspläne für die Freiräume im Hochschulquartier werden sie voll zur Geltung kommen. Das Projekt von Herzog & de Meuron für das künftige Bildungs- und Forschungszentrum ist ein städtebaulicher Geniestreich», sagt Chapuis. «Das geplante Gebäude markiert Präsenz, wirkt einladend und schafft vielfältige Bezüge zwischen der Wissenschaftswelt und der städtischen Umgebung.»

Chapuis freut sich besonders auf den neu gestalteten Gloriapark und die benachbarte Terrasse vor dem FORUM UZH, die zusammen das Herz des Hochschulquartiers bilden werden. «Das wird ein quirliges Quartierzentrum mit viel Grün, ein Ort, an dem man sich trifft und verweilt. Hier wird urbanes und universitäres Leben zusammenfliessen, und hier wird man erleben können, was eine Stadtuniversität wirklich ausmacht.»

Bis das FORUM UZH und die anderen geplanten Bauten im Zentrum und am Irchel bezogen werden können, sind zwar noch viele politische, juristische und finanzielle Hürden zu nehmen, doch Chapuis ist guten Mutes. «Wir stehen in ständigem Austausch mit den Universitätsangehörigen, dem Kanton, der Stadt, der Quartierbevölkerung und allen anderen Beteiligten», sagt er. Grund zum Optimismus gibt ihm auch das Delegationsmodell, das der Kanton Zürich und die UZH vereinbart haben. Es garantiert der UZH als Bauherrin grosse Handlungsspielräume. «Wir können die Prozesse hier wesentlich schlanker durchführen, als mir das als Kantonsbaumeister im Aargau möglich war», sagt er.

Herzlicher Empfang

Chapuis hat sich seit seinem Stellenantritt im Dezember an der UZH bereits gut eingelebt. «Der Empfang war herzlich», sagt er. Die Direktion Immobilien und Betrieb gibt es noch nicht lange, sie wurde Anfang 2018 eingerichtet, damit man die grossen Bauvorhaben im Zentrum und am Irchel steuern kann. «Mein Vorgänger Peter Bodmer hat hervorragende Aufbauarbeit geleistet, die ich jetzt weiterentwickeln und stabilisieren kann», sagt Chapuis.

Sein vorrangiges Anliegen ist es nun, den Raumbedarf der UZH noch exakter als bisher zu bestimmen. «Dazu sind viele kleine Schritte nötig, und jeder einzelne davon verlangt, dass wir im Dialog mit den jeweiligen Nutzerinnen und Nutzern hartnäckig und kreativ um die beste Lösung ringen», sagt er. Warum das nötig ist? «Weil Fehlallokationen bei grossen Bauprojekten oft dadurch verursacht werden, dass zu wenig genau darüber nachgedacht wurde, was wirklich gebraucht wird und was nicht.» Im Bereich der Bedarfsabklärung leistete Chapuis als Kantonsbaumeister bereits Pionierarbeit: Der Aargau führte als einer der ersten Kantone ein strategisches Portfoliomanagement für die Entwicklung seiner Immobilien ein.