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Die Richtung vorgeben

Gabriele Siegert ist seit Kurzem Vize-Rektorin der UZH, zusätzlich zu ihrem Amt als Prorektorin. Sie will die Evaluationsverfahren effizienter gestalten sowie Nachhaltigkeit und Diversität an der UZH fördern. 

Von Marita Fuchs

Über mangelnde Arbeit kann sich Prorektorin Gabriele Siegert nicht beklagen, hat sie doch mit dem neu geschaffenen Amt der Vize-Rektorin nicht nur die Aufgabe übernommen, den Rektor zu vertreten. Neu zugeteilt sind ihr auch die Abteilung Gleichstellung, die Evaluationsstelle und das Nachhaltigkeitsteam. Warum gerade diese Bereiche? «Alle drei Einheiten vertreten Werte und Prinzipien, nach denen die UZH handeln sollte: nachhaltig, gleichgestellt und gut geführt», sagt Siegert. Da auch die Abteilungen Studierende sowie Studieninformation und -beratung neu ihrem Prorektorat zugeordnet sind, kommen auch in ihrer Funktion als Prorektorin neue Aufgaben und Termine auf sie zu. Ihre Tätigkeit am Lehrstuhl für Kommunikationswissenschaft muss sie aufgrund der vielen neuen Pflichten noch weiter reduzieren.

Meine Spielräume, aber auch die Verpflichtungen sind grösser

Was motiviert Gabriele Siegert? In ihrem Büro am Hirschengraben erklärt sie: «Bereits die Entscheidung für das Prorektorat war eine Lebensabschnittsentscheidung.» Damit war ein Wechsel in der Ausrichtung verbunden: In der Funktion als Wissenschaftlerin seien vor allem ihre analytischen und reflexiven Fähigkeiten gefragt, als Mitglied der Universitätsleitung vor allem gestalterische Fähigkeiten. «Meine Gestaltungsspielräume, aber auch die Gestaltungsverpflichtungen sind im Amt als Vize-Rektorin und Prorektorin grösser als zuvor.»

Die gebürtige Augsburgerin spricht mit leichter Dialekteinfärbung, sie wirkt fokussiert und gut organisiert. Das hohe Arbeitspensum sei nur zu schaffen, weil sie sehr erfahrene Mitarbeitende habe, die sie unterstützten. Zurzeit stehen mehrere Geschäfte an. So sollen die Evaluationsverfahren neu ausgerichtet und zusammen mit dem Qualitätsmanagement Studium und Lehre und den Strategie- und Entwicklungsgesprächen zu einem ganzheitlichen Qualitätsprozess werden. «Das Qualitätsmanagement einer Universität gibt die Richtung vor», sagt Siegert. Konkret sollen die Evaluationsverfahren effizienter und kürzer werden, damit zwischen Evaluationsbeginn und tatsächlichen Massnahmen weniger Zeit verstreicht als bisher.

Bei der Gleichstellung liegt ein erster Fokus auf den Berufungsverfahren. «Wir müssen alles dafür tun, dass unbewusste Vorurteile gegenüber Forscherinnen erkannt und vermieden werden», sagt sie. Deshalb habe sie auch die Trägerschaft über das OTM-R-Projekt, übernommen. OTM-R steht für «Open, Transparent and Merit-based Recruitment of Researchers» und gibt eine Reihe praktischer und nützlicher Instrumente zur Umsetzung transparenter Rekrutierungen an Universitäten an die Hand. Die Abteilung Professuren habe hier bereits wesentliche Aspekte umgesetzt.

Daneben ist es ihr wichtig, die neuen Diversitätsleitlinien an der UZH zu etablieren. Die diskriminierungsfreie Teilhabe aller müsse gewährleistet sein. Denn sie ist überzeugt: Arbeitsgruppen und Teams sind kreativer und arbeiten besser, wenn die unterschiedlichen Erfahrungen der verschiedenen Mitarbeiterinnen und Mitabeiter einfliessen können.

Nudging für die Nachhaltigkeit

Der dritte Bereich, den Siegert vorantreiben möchte, ist die Nachhaltigkeit. Das Team um Professor Lorenz Hilty arbeitet derzeit an einer Nachhaltigkeitsleitlinie und an Umsetzungsstrategien. Auch hier gehe es zunächst darum, ein Bewusstsein für das Thema zu schaffen. Dann müsse man konkret werden. Siegert denkt etwa an Konzepte des Social Nudging. Durch Nudging – Schubsen – könne man Entscheidungen anschieben, die man sonst nicht treffen würde.

So etwa, indem man das vegetarische Menü in der Mensa ganz oben auf die Liste setze. Auch Incentives – Anreize – könnten helfen. «Ideen gibt es viele, aber es braucht Mut und meistens auch ein Budget, um sie umsetzen zu können», sagt Siegert. Und was macht sie nach einer arbeitsreichen Woche? Sie versuche, an einem Tag am Wochenende nicht zu arbeiten, und spiele dann entweder Golf oder widme sich ihrem Zuhause; sie räume auf und arbeite im Garten. «Es ist ein gutes Gefühl, wenn das Ergebnis der eigenen Arbeit sofort sichtbar ist», sagt sie und bricht zum nächsten Termin auf.