3R und Ethik im Tierversuch

Grafische Dreiecke
Grafische Dreiecke

In diesem zweitägigen Blockkurs wird das wissenschaftlich wie gesellschaftlich relevante und kontrovers diskutierte Thema «Tiernutzung in der Forschung» aus verschiedenen Blickwinkeln analysiert und reflektiert. «Die aufgeworfenen Fragestellungen rund um Tierschutz, Tierrechte und Forschungsfreiheit eignen sich aufgrund ihrer Komplexität sehr gut dafür, transdisziplinäre Denk- und Arbeitsweisen kennenzulernen», sagt Paulin Jirkof. Die Biologin arbeitet als 3R-Koordinatorin in der Abteilung Tierschutz und hat die fachübergreifende Lehrveranstaltung für Studierende aller sieben Fakultäten gemeinsam mit ihrem Kollegen, dem Bioethiker Matthias Eggel, konzipiert. 
Der Diskurs über Tierversuche und geeignete Ersatzmethoden beschäftigt verschiedenste Disziplinen: die Medizin, die Naturwissenschaften, die Geistes- und Sozialwissenschaften sowie die Rechtsprechung. Daher sollen die Studierenden anhand konkreter Probleme aus der Praxis in Gruppenarbeiten und angeleiteten Diskussionen herausfinden, welches Faktenwissen (etwa aus der Biochemie oder aus der Gesetzgebung) und welche Werkzeuge (etwa Konzepte aus der Ethiktheorie oder Methoden der Güterabwägung) sie für die Bearbeitung der Fallbeispiele benötigen. Fragen, die hierbei gestreift werden, lauten zum Beispiel: Macht es einen Unterschied, ob man mit Affen oder Mäusen Versuche durchführt? Oder ob man wenige Tiere stark oder viele Tiere wenig belastet? Oder sind Versuche, die dazu beitragen, häufige Krankheiten bei älteren Menschen zu erforschen, anders zu bewerten als solche zu seltenen Kinderkrankheiten? Und wie kann man die Belastung der Tiere und den potenziellen Nutzen für den Menschen gegeneinander abwägen?
Dabei gehe es nicht darum, die richtige Lösung zu finden, betont Paulin Jirkof. «Vielmehr sollen die interaktive Herangehensweise und der geschützte Rahmen Raum dafür bieten, im gegenseitigen Austausch neue Sichtweisen zu entwickeln und die vorgestellten wissenschaftlichen Tools praktisch und möglichst kreativ auszuprobieren, zum Beispiel auch mal eine extremere Meinung zu formulieren oder ein Gedankenexperiment durchzuführen.»